gegr. 1920
gegr. 1920
VfB Obertürkheim e.V.
VfB Obertürkheim e.V.

Die Vereinsgeschichte

Der VfB Obertürkheim wurde 1920 gegründet. Zu dieser Zeit zählte Obertürkheim rund 4500 Einwohner und war noch eine selbständige Gemeinde, die sich in der Wandlung von einem Weingärtnerdorf zu einem Industrieort befand. Die Eingemeindung in die Stadt Stuttgart erfolgte dann erst 1922.

Schon vor der Gründung gab es in Obertürkheim einen Sportverein, den 1897 gegründeten "Turnverein", und in ihm einige Mitglieder, die eifrig Fußball spielten. Die Nürnberg-Fürther Fußballschule, deren Stern eben aufging, bot dafür genügend Vorbilder! Leider fanden die Fußballbegeisterten im TVO, dessen Vorstand sich offensichtlich vor allem den alten Idealen des Turnvater Jahn verpflichtet fühlte und dem neuen Volkssport Fußball sehr skeptisch gegenüber stand, nicht die nötige Unterstützung für ihren Sport. Auch scheint es im TVO politische Gegensätze zwischen dem "bürgerlichen", politisch eher konservativem Vorstand und den mehr der Arbeiterbewegung und ihren Organisationen verbundenen, meist jüngeren Fußballern gegeben zu haben. Jedenfalls galt der VfB Obertürkheim lange Zeit nicht ganz zu Unrecht als "linker" Club und als "Arbeiterverein".

Wie auch immer: Die Fußballer im TVO beschlossen kurzerhand, sich von diesem loszulösen und einen eigenen Verein, einen Fußballverein, zu gründen.



Nahezu dreißig Männer waren es, die sich zu diesem Zweck im März 1920 in der Gastwirtschaft "Zum Kreuz" in der Uhlbacher Straße (heute befindet sich an dieser Stelle die Metzgerei Götz) versammelten und dort den "Verein für Bewegungsspiele Obertürkheim", den VfB Obertürkheim, aus der Taufe hoben. Blau und Weiß sollten seine Farben sein, das Mühlrad, das alte Obertürkheimer Wappen, sein Emblem. Julius Wandel wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Damalige Gründungsmitglieder bzw. Fußballer der "ersten Stunde" wie z.B. Hugo Münzenmaier, Anton Böhringer oder Fritz Ohmenhäuser haben uns anschaulich von der Geburtsstunde des VfB Obertürkheim berichtet.

Die nächsten Monate forderten von den Obertürkheimern viel Idealismus; denn man besaß noch keinen eigenen Sportplatz! So marschierte man vor jedem Spiel, mit Torstangen bewaffnet, zum Cannstatter Wasen, wo die Tore vor jedem Spiel erst aufgerichtet, nach jedem Spiel wieder abgebaut werden mußten!

Erst 1921 wurde der Platz vor der Obertürkheimer Turnhalle für das Fußballspielen freigegeben, konnte das erste Spiel des VfB in Obertürkheim selbst stattfinden. Unsere historische Aufnahme zeigt die Obertürkheimer Spieler (im dunklen Trikot) von links nach rechts: Obermüller, Steidle, Münzenmaier, Böhringer, K. Beck, Hofmann (stehend), Ohmenhäuser, Lettenmaier, Eugen Günther, V. Beck und Ernst Günther (sitzend).

Die ersten sportlichen Erfolge ließen auch nicht mehr lange auf sich warten: Schon 1922 wurde der VfB Meister der B-Klasse, und 1925 schaffte er sogar den Aufstieg in die Kreisklasse.

 



1928 erhielt der VfB Obertürkheim dann am Neckar, auf dem Gewann "oberer Wasen", einen eigenen Sportplatz und seine endgültige Heimat. Festlich wurde der neue Platz mit einem Spiel gegen den Stuttgarter Sportclub eingeweiht (das allerdings knapp 2:3 Toren verloren ging). Das kurz darauf erbaute Clubhaus, der Neckarstrand und der Neckar selbst, in dessen von Abwässern noch unverseuchten Fluten man damals noch getrost ein Bad nehmen konnte, bildeten für die Spieler wie deren Familien einen beliebten Ort der sonntäglichen Ruhe, Erholung und des kameradschaftlichen Zusammenseins und ließ die VfB-Familie noch enger zusammenwachsen.

Der II. Weltkrieg brachte auch beim VfB Obertürkheim den Spielbetrieb ins stocken. Ein Großteil der Spieler wurde eingezogen. Manche von ihnen kamen, Opfer des sinnlosen Krieges, nicht wieder...

Nach Kriegsende entstand in Obertürkheim auf Anordnung der Besatzungsmächte zunächst ein Großverein für alle bisherigen Sportvereine. Doch war dieser nicht von großer Dauer; es war nur eine Frage der Zeit, bis die alten Vereine wieder ihr Recht auf Eigenleben, zur Pflege ihrer besonderen Sportart forderten: Schon 1948 gab es wieder einen VfB in Obertürkheim.

 

Bereits 1950 errang dieser einen großen Erfolg: Mit "Schorsch" Götz als Trainer wurde er Meister der Kreisklasse und durfte sich so an den Spielen zum Aufstieg in die Landesliga beteiligen (bei denen ihm allerdings der Erfolg versagt blieb). In der Nachkriegszeit bestimmten Männer wie die Vereinsvorsitzenden E. Weiß, P. Wandel, Willi Mühleisen, H. Kress und H. Hirschmüller, Jugendleiter wie F. Hofmann, F. Ohmenhäuser und A. Maile (der 1962 bis 1969 auch den Gesamtverein leitete) und vor allem Heiner Ortlieb (der von 1950 bis 1967 ununterbrochen als Leiter des Spielausschusses und 1956 bis 1958 auch als Vereinsvorsitzender amtierte) die Geschicke des VfB Obertürkheim, unter großem Aufwand an Kraft, Zeit und oft auch Geld und mit viel Idealismus !

Dem Höhepunkt der Saison 1949/50 folgte eine Zeit mäßiger spielerischer Leistungen; der VfB Obertürkheim mußte, mehrmals hintereinander, absteigen, bis zur C-Klasse (1953). Aber schon in der Saison 1955/56 schaffte er, in Schwung gebracht von seinem tüchtigen Trainer Walter Koban, den Aufstieg in die B-Klasse. Nochmals mußten die Obertürkheimer 1962 den bitteren Gang in die C-Klasse antreten; jedoch schon 1965 stieg der VfB Obertürkheim unter Führung seines Trainers Manfred Bernhard wieder in die B-Klasse auf. Die folgende Saison 1965/66 war sogar die spielerisch beste für die Obertürkheimer Elf in den letzten 15 Jahren. Monatelang führten sie die Tabelle der B-Klasse an und nur das Verletzungspech raubte ihr am Ende den fast schon sicher geglaubten Aufstieg in die A-Klasse.



Das Jahr 1970 (in dem der VfB Obertürkheim sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte) bedeutete in der Geschichte unseres Vereins einen Einschnitt. Das alte, im wesentlichen aus Holz gebaute Clubhaus fiel am 1. Dezember einem Brand zum Opfer; im gleichen Jahr wurde im Zuge des Ausbaus des Neckarhafens der bisherige Sportplatz des VfB Obertürkheim durch dessen Eigentümer, die Stadt Stuttgart, für den Spielbetrieb gesperrt. Doch gleichzeitig begannen die Planungen für ein neues und größeres Clubhaus und die Vorarbeiten für zwei neue Sportplätze, die etwas weiter neckarabwärts wie der alte liegen sollten. Der erste dieser Plätze, der Tennenplatz, wurde schon im November 1971 für den Spielbetrieb freigegeben, der zweite, der Rasenplatz, konnte 1982 festlich eingeweiht werden. Schon fünf Jahre zuvor, im Dezember 1977, war das neue Clubhaus mit der Vereinsgaststätte "Ailenbergblick" fertiggestellt worden: nach siebenmonatiger Bauzeit und einem Kostenaufwand von rund DM 620000. Wesentlichen Verdienst an diesem Kraftakt (der den Haushalt unseres Vereins noch heute belastet) kommt dem damaligen Vorstand des VfB Obertürkheim unter Fritz Herzog als 1. Vorsitzenden, Alfred Duda als 2. Vorsitzenden und Wolfgang Beck als Hauptkassier zu; zu danken ist er aber auch zahlreichen Vereinsmitgliedern, die durch unentgeltliche Eigenarbeit wie durch den Kauf symbolischer "Bausteine" den Neubau Wirklichkeit werden ließen.

 



Sportlich freilich waren die 70er und die 80er Jahre, in denen zunächst Werner Maier (1969-75) und dann F. Herzog (1975-88) den VfB Obertürkheim als 1. Vorsitzende führten, weniger erfolgreich. Jahrelang konnte sich die Erste Mannschaft nur mit Mühe in der B-Klasse halten; 1975 mußte sie schließlich den bitteren Weg in die C- Klasse, die damals unterste Spielklasse, antreten. Ende der 80er Jahre ging es, nicht nur sportlich, wieder aufwärts mit unserem Verein: Der erste (von drei) Aufstiegen der Ersten Mannschaft in die Kreisliga A im Jahre 1987 und die Übernahme der Vereinsführung durch einen völlig neuen Vorstand unter A. Duda und Dr. Reinhart Reck 1988 markiert diese Aufwärtsentwicklung.

 



Auch in den 90ern konnte man Erfolge feiern. So gelang 1995 der Aufstieg in die A-Klasse, wo man in der folgenden Saison nur knapp an einem erneuten Aufstieg in die Bezirksliga scheiterte. Die nachfolgenden Jahre waren geprägt von einem Umbruch sowohl bei den Aktiven, als auch im Vorstand. So übernahmen 1999 Udo Reinmuth die Vereinsführung. Im aktiven Bereich der Herren musste man nach einer radikalen Verjüngungskur 1999 in die B-Klasse absteigen. Im Jahr 2009 stieg man unter Trainer Norbert Robl als Zweitplatzierter und nach erfolgreicher Relegation wieder in die A-Klasse auf.

Mit geprägt wurde der Verein in den letzten Jahren auch durch die 1994/95 neu hinzugekommenen Frauen und Mädchenmann-schaften, die bereits zahlreiche sportliche Erfolge einfahren konnten. So gelangen den Mädchen einige Meisterschaften und zahlreiche Turniererfolge. Auch die Frauenmannschaften konnte Meisterschaften erringen. Die erste Frauenmannschaft ist bis in die Oberliga, die höchste Spielklasse in Württemberg  vorgedrungen und dort ein etabliertes Team. Die zweite Frauenmannschaft spielt mittlerweile in der Regionenliga und die dritte Mannschaft in der Bezirksliga.

 

Am 14.08.2011 fiel unser Vereinsheim zum zweiten Mal in unserer Vereingeschichte einer Feuersbrunst zum Opfer. Ein schwerer Schicksalsschlag. Glücklicherweise konnte die herbeieilende Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen aus dem Wirtschaftstrakt auf die angrenzende Gastwirtschaft und die Sportumkleiden in letzter Sekunde verhindern. Nach abschließenden Untersuchungen kamen die Sachverständigen der örtlichen Feuerwehr zu dem Ergebnis, dass ein Technischer Defekt die Brandursache war. Der entstandene Brandschaden war mit zunächst geschätzten Kosten in Höhe von 130 000 Euro dennoch beträchtlich. Nach Wiederaufbau und Neueröffnung des Vereinsheim in der Jahresmitte 2012 beliefen sich die tatsächlichen Kosten für den Wiederaufbau auf über 250 000 Euro.

Nach diesem herben Rückschlag schien uns das Schicksal wohlgesonnen. Endlich hatte die Kommunalregierung unserem Flehen nachgegeben und die nötigen Gelder für einen Kunstrasensportplatz bewilligt. Der bis dahin existierende Tennenplatz hatte sein Haltbarkeitsdatum bei weitem überschritten - hier und da trat schließlich schon die darunterliegende Drainageschicht zum Vorschein. Von März bis Oktober des Jahres 2013 dauerten die Bauarbeiten. Dann schließlich durfte sich unser Verein über einen niegelnagelneuen Kunstrasenplatz im Wert von 630 000 Euro freuen. Die Freude war unbeschreiblich groß.